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Donnerstag, 09. September 2010, 16:30 Uhr


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 Modellierung psychopathologischer Phänomene durch Hypnose?
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Miraculus
 Januar 09 2009 20:04  (247 Mal gelesen)  
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Durch Hypnose und Wachsuggestionen können Phänomene erzeugt werden, die denen zahlreicher psychopathologischer Störungen ähneln.
Tatsächlich ist diese Gemeinsamkeit natürlich oberflächlicher Natur, denn die hypnotischen Phänomene selbst sind nicht krankhaft.
Hypnose ist werder pathologisch (krankhaft), noch pathogen (krankheitserzeugend).

Was eine Störung eigentlich ausmacht sind m.E. nicht die oberflächlichen Phänomene (wie etwa Zwangsimpuls oder Halluzination), sondern die zugrundeliegenden Prozesse, die das Auftreten solcher Erscheinungen unkontrolliert herbeiführen.

Zu den typischen hypnotischen Phänomenen konnen beispielsweise Halluzinationen und andere Sinnestäuschungen, Amnesien, als "automatisch" erscheinende Bewegungen sowie Bewegungsblockaden gehören, une eben auch ein als "zwanghaft" wahrgenommenes suggeriertes Verhalten.

Trotz der Unterschiedlichkeit der grundsätzlichen Verschiedenheit der Klassen hypnotischer und psychopathologischer Phänomene wäre es vielleicht mal ein interessanter Gedanke, psychopathologische Phänomene zu erforschen, indem sie hypnotisch/suggestiv modelliert werden.
Derartige Ansätze sind m.W. bisher selten.

Es gibt allerdings immerhin eine vereinheitlichende Theorie sogenannter Konversionsstörungen einerseits und hypnotischer Phänomene andererseits.
Unter Konversionsstörungen versteht man körperlich anmutende Ausfallerscheinungen, die allerdings einen psychischen Hintergrund haben. Beispielsweise ist jemand gelähmt, obwohl Nerven, Muskeln, Sehnen und die relevanten Teile des Gehirns vollkommen gesund sind.
Oder jemand sieht wenig oder ist im Extrmfall blind, obwohl Augen und Nerven perfekt funktionieren.
Die Erklärung ist in der Psyche zu suchen.

Ein Artikel dazu, m.W. einer der ganz wenigen, wurde durch David A. Oakley verfaßt, einen britischen Hypnosewissenschaftler.
Er ist heißt "Hypnosis and Conversion Hysteria: A Unifying Model" und ist - unter falschem Namen - hier verlinkt:

http://www.hypnosisunituk.com/articles/Oakley1999b.pdf

Einige psychopathologische Phänomene wurden unter dieser Perspektive auch beleuchtet, wobei Hypnose als Forschungswerkzeug eingesetzt wurde.. Siehe ebenfall einen Artikel von demselben Oakley:

http://www.hypnosisunituk.com/articles/Oakley2006.pdf

Zwangsstörungen gehören zu den untersuchten Inhalten jedoch m.W. nicht, wobei ich mich irren kann.

Allerdings können Zwangsphänomene können ebenfalls einfach durch Hypnose/Suggestion simuliert werden, und finden insbesondere in der Showhypnose häufig Einsatz.

Selbst schizophrenietypische "bizarre" Wirklichkeitsverkennungen (entsprechend dem "bizarren Wahn" ) können durch Hypnose und Wachsuggestion induziert werden, bei etlichen Personen sogar schnell und leicht.

Es wäre interessant, ob solche Prozesse, durch Suggestion und Hypnose hervorgerufen werden, zu einem besseren Verstädnis der analogen psychopathologischen Phänomene dienen können.

Besonders im Fokus der Aufmerksamkeit stünde in dem Zusammenhang dieses Blogs natürlich die Zwangsstörung.
Meines Erachtens dürfte der Gewinn an Verständnis jedoch begrenzt sein, da die "eigentliche" Pathologie nach meiner Auffassung wie gesagt nicht in Halluzinationen, Wahnideen, oder eben Zwangserscheinungen liegt, sondern in ursächlichen Prozessen "dahinter" begründet liegt.

Eine gewisse Erhellung der pathologischen Phänomene wäre dennoch vielleicht möglich, und daher wären entsprechende Projekte vielleicht einer Überlegung wert.


 
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Markus
 Januar 09 2009 23:22   
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Ja, ist generell eine prima Überlegung. Wenn ich das recht verstehe, würde man einen Zwang in Hypnose produzieren und anhand dessen, was man dazu berücksichtigen muß, lernen, wie ein Zwang normalerweise entsteht. So könnte man Rückschlüsse auf die Heilung von Zwängen erkennen. Ist das gemeint?

Das würde den Bereich streifen wie Zwänge entstehen, also die Theorien der psychologischen Schulen. Da würde ich dieses Buch zunächst empfehlen. "So, als hätte ich kein Leben. Zwangsneurosen verstehen und heilen" von Steven Levenkron.

Also meine Zusammenfassung wäre, dass man einem Kind erst mal das Selbstvertrauen nehmen muß, Liebe und Vertrauen sowieso. Wenn es dann keine Stabilität mehr hat, sucht es sich die in Form von Zwangshandlungen. Der Rückschluß daraus wäre dann das, was man in Hypnose machen müßte, um zu heilen. Selbstvertrauen aufbauen, lieben lehren usw.

Da hat man was zu tun.


 
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Miraculus
 Januar 09 2009 23:50   
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Wenn ich das recht verstehe, würde man einen Zwang in Hypnose produzieren und anhand dessen, was man dazu berücksichtigen muß, lernen, wie ein Zwang normalerweise entsteht. So könnte man Rückschlüsse auf die Heilung von Zwängen erkennen. Ist das gemeint?


Ja, so ist das schon gemeint...
Man könnte hierduch vllt. der inneren Dynamik des Zwanges näherkommen.
Beispielsweise würde dann ein völlig gesunder Mensch "Zwangshandlungen" suggeriert bekommen.

Er würde dann beschrieben, was er fühlt, was in ihm vorgeht. Das wäre vielleicht auch für Therapeuten einer Zwangsstörung eine interessante Erfahrung.

Man könnte untersuchen, was Gemeinsamkeiten und was Unterschiede zum "richtigen" Zwangsverhalten sind.
Daraus würde sich eventuell ein besseres Verständnis des Phänomens selbst ergeben.

Auch ein besseres Erfassen des "psychopathologischen Kerns" der Störung.

Eine weitere Möglichkeit wären "Befragungen des Unterbewußtsein" durch automatisches Schreiben/Sprechen zu dem, was im vorfeld, während und nach der Zwangshandlung dort vor sicht geht...sowohl bei einer genuinen Zwnagsstörung wie beim hypnotischen "Pseudozwang".


 
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Markus
 Januar 09 2009 23:57   
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Die Zwangserkrankung ist ein wenig komplexer. Man müßte den Probanden erst mal verwirren und unsicher machen, dann mit Zwangsritualen stabilisieren. Das wäre ziemlich heftig. Na, ja, das ist dann eben Hypnoseforschung, gell?


 
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Petra
 Januar 10 2009 00:27   
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Quote by: Miraculus

Beispielsweise würde dann ein völlig gesunder Mensch "Zwangshandlungen" suggeriert bekommen.


Hallo Miraculus,

willkommen auch hier ;-)

Im Grunde genommen ist doch schon jeder posthypnotische Auslöser sowas in der Art.
Die VP haben mit einem solchen Auslöser den "Zwang", das Suggerierte unbedingt auszuführen - egal wie bescheuert das auch immer ist.
Häufig werden dabei die seltsamsten Ausreden gesucht, hauptsache, man kann sein seltsames Verhalten erklären.

Damit haben vor einiger Zeit mal einige Teilnehmer in unserem Seminar experimentiert.
Eine Teilnehmerin hat jemand anderem suggeriert, dass er unbedingt einen Stuhl umdrehen muss - er hat´s nicht lange ausgehalten, war sehr unruhig, irgendwann sprang er mitten drin auf und hat den Stuhl schon fast wütend umgedreht auf den Boden gelegt, dann haben sich 2 totgelacht - er konnte nicht anders, es MUSSTE sein.

Meine Schwester hat so auch schon mal Plastikblumen gegossen weil denen zu warm war *ggg*


Viele Grüße Petra
 
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Miraculus
 Januar 10 2009 13:00   
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Hallo zusammen,

was Du, Markus beschreibst, fände ich auch heftig / eventuell sogar gefährlich.
Man sollte sich lieber auf ganz bestimmte Aspekte beschränken, so wie Petra es beschreibt.

Deshalb auch meine Aussage über den begrenzten Wert solch einer Forschung.
Man könnte nicht (verantwortungsvollerwiese) die gesamte Störung simulieren, sondern nur einzelne Elemente. Etwa eben das ganz unmittelbare Erleben des Zwanges, etwa bei einem posthypnotischen Auftrag.


 
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