Zwangserkrankung zählt zu den Angsterkrankungen
Die Zwangserkrankung wird im allgemeinen zu den Angsterkrankungen gezählt. Der Grund ist, dass bei Zwängen fast immer auch irrationale Angst im Hintergrund ist.
Übergeordneter Begriff: Impulskontrollstörung
Der übergeordnete Begriff ist aber Impulskontrollstörung. Damit ist gemeint, dass man seinen Handlungsimpuls nicht steuern kann. Man führt also die Zwangshandlung aus. Interessanterweise ist aber auch die Sucht eine Impulskontrollstörung. Diese Perspektive, dass Zwänge eine Sucht sind, ist aber sehr wenig verbreitet.
Ich könnte mir vorstellen, dass Therapeuten eine klare Vorstellung von Sucht haben, und Zwänge eben auch ganz klar davon abgegrenzt klassifizieren. In der Tat, ich hatte mit einer promovierten Verhaltensthereapeutin gesprochen, die überhaupt nicht vertstand, wie ich bei Sucht und Zwang eine Verbindung sah, dabei existiert sie schon sprachlich. Bei einem Zwang spricht man häufig von der Sucht etwas zu tun und bei einer Sucht spricht man von einem Zwang.
Familien von Zwänglern als Suchtsysteme
Der weitaus interessantere Teil der Betrachtung ist aber die Tatsache, dass die Zwangserkrankung genau wie die Sucht eine Familienkrankheit ist. Niemand bleibt verschont, der Partner nicht und auch nicht die Kinder. Und auch hier findet man ganz klassische Familien, die ein typisches Suchtsystem oder sollte man sagen Impulskontrollstörugssystem, darstellen, identifizierbar über Verhalten und Begleitkrankheiten. Auch in einer typischen Alkoholikerfamilie endet das Suchtsystem ja nicht damit, dass die Sucht aufhört. D.h. Suchtfamilien und Suchtsysteme gibt es sehrwohl auch ohne aktuelle Suchterkrankung.
Insofern hilft Literatur zu Sucht und Co-Abhängigkeit ein gutes Stück weiter. In diesem Sinne empfehle ich Anne Wilson Schaef "Im Zeitalter der Sucht: Wege aus der Abhängigkeit"